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Varanger – Ein Naturjuwel zu jeder Jahreszeit

Norwegen - Varanger - Tanaelva

Endlich konnte es losgehen. Wenn auch drei Monate später als geplant, starteten wir Ende Juni 2021 unsere mehrmonatige Auszeit in den Norden Europas. Bedingt durch Corona und die Grenzschließungen innerhalb der skandinavischen Länder ließen wir die zuerst geplanten Reisen in die baltischen Länder rechts liegen und reisten über Schweden in den Norden ein. Dort verbrachten wir einige Tage in Naturschutzgebieten und auf den Hochebenen. Wir erlebten warme und sonnige Tage und Nächte, in denen die Sonne nur kurz verschwand, um kurz darauf in wunderschönen Farben wieder aufzugehen.

Norwegen-Varanger-TanaelvaNorwegen - Varanger - Batsfjord

Unser erstes, festgelegtes Ziel befand sich ganz hoch im Nordosten Norwegens, entlang der Barentsee und nahe der russischen Grenze. Varanger ist neben vielen endemischen Vogel- und Tierarten bekannt für eine Vielzahl von Limikolen, die im kurzen arktischen Sommer im äußersten Nordwesten Norwegens ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Ihnen bleibt nicht viel Zeit für die Brut und das Großziehen ihrer Küken und sie landen schon im zeitigen Frühjahr auf den unzähligen Wasserflächen auf den Hochebenen und Mooren der relativ flachen Tundra und Taiga. Noch im Mai kann es vorkommen, dass die Nebenstraßen und Einfahrten in den Nationalpark der Halbinsel durch den Schnee unpassierbar sind.

Für den „normalen“ Reisetourismus ist dieses abgeschiedene Fleckchen Norwegens noch kaum bis gar nicht erschlossen. Campsites gibt es nur wenige, die Infrastruktur beschränkt sich auf einige wenige Hauptstraßen, die die abgelegenen Küstenorte über das Innere der Halbinsel verbinden. Einige Orte sind im Winter komplett verlassen und nur in den Sommermonaten bewohnt. Dabei bietet Varanger neben einzigartig bizarren Felsformationen, denvmondlandschaftsähnlichen Küstenstreifen und seinem faszinierenden, wilden Nationalpark auch das wunderschöne und naturbelassene Flussdelta entlang des Tanaelvas.

Norwegen - Varanger - Tanaelva

Sobald die ersten wärmenden Sonnenstrahlen und die rasch länger werdenden Tage ihre Wirkung entfalten, erweist sich Varanger als ein El Dorado für Vogelbegeisterte, Ornithologen und Naturfotografen. Schon im zeitigen Frühjahr zwischen Januar und März kann man kurzfristig Prachteiderenten, Eisenten und die wunderschönen Scheckenten beobachten. Nach und nach folgen andere Wasservögel, Seetaucher und Entenarten, Limikolen und viele nordische Singvögel. Für eine kurze und intensive Zeit ist dieses sonst so einsame und karge Fleckchen Erde voller Leben.

Küstenseeschwalbe

Meerstrandläufer

Gleichwohl wir uns unter den ersten Reisenden wähnten, die in diesem Jahr die norwegische Grenze überqueren durften, kamen wir für die Balz- und Brutzeit der begehrten Fotomotive zu spät. Das hielt uns jedoch nicht ab, die lange recherchierten und von Freunden und Fotokollegen empfohlenen Orte und Locations über viele Tage zu besuchen. An vielen Orten war das Brutgeschäft in vollem Gange, mancherorts die Jungvögel flügge oder gar schon auf dem Meer unterwegs. Einige Arten konnten wir jedoch noch sehen und ablichten, viele auch länger beobachten. Und auch jenseits der Tierwelt bietet Varanger viele Möglichkeiten, die Natur zu erleben und die wilde und unberührte Landschaft zu erwandern und zu genießen.

Papageitaucher

Rot- und Grünschenkel, Odinshühnchen, Gold-, Mornell-, Sandregenpfeifer, See- und Steinadler, zahlreiche Möwenarten, Brachvögel und nicht zuletzt die charmanten Papageitaucher, edlen Trottellummen und exotischen Tordalke waren es auf alle Fälle mehr als wert, die weite Reise in diese abgeschiedene und menschenarme Gegend Norwegens zu wagen.

Der selten gewordene Polarfuchs stattete uns in der Dämmerung einen Besuch ab, als wir im Osten der Insel zwischen kargen Felsen und kaltem Wind übernachteten. Ein mehrtägiger Besuch noch weiter Richtung Osten, wenige Kilometer an der russischen Grenze entlang, im Pasvik-Nationalpark lohnt sich auf jeden Fall. Auch, wenn es – jenseits der Pandemie und zeitweilig geschlossener Grenzen – seltsam anmutet, entlang einer „wirklichen“ Grenze entlangzufahren, die urigen Wälder und grenzenlose Moore sind fantastisch. Ein seltsames und doch so irres Gefühl, sich in den westlichsten Ausläufern der sibirischen Taiga zu bewegen – für uns als Naturfreaks einzigartig. So werden wir auch niemals die Begegnung mit dem Braunbären vergessen, der unsere Rumpelpiste im Nationalpark  keinen Kilometer von der Grenze entfernt, kreuzte, Fersengeld gab und uns doch noch eine ganze Weile aus sicherer Entfernung beobachtete. Ein einmaliger und unvergesslicher Gruß, vermutlich von jenseits der russischen Grenze, zu uns weisend. Tiere kennen eben keine Grenzen – und das diesseits und jenseits des Polarzirkels.

Norwegen-Finnmark-Pasvik NP

Varanger werden wir ganz sicher nicht zum letzten Mal bereist haben. Für Natur- und besonders Vogelfotografen bedeutet die Halbinsel quasi das „Helgoland Norwegens“. Und für uns Camper-Reisende Natur und Wildheit pur, (fast) endlose Horizonte, traumhafte Stellplätze, unglaubliche Stille und menschenleere Freiheit. Es gibt noch so viel zu entdecken, in diesem abgeschiedenen und noch unentdeckten, vielfältigen Nordosten Skandinaviens.

A prospos… – Wer wollte da eigentlich noch ans Nordkapp…?!

Norwegen-Varanger-Berlevag

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat und Sie mehr über Varanger oder unsere Auszeit sehen möchten, dann gelangen Sie hier direkt zur  GALERIE „7month – Wilder und bezaubernder hoher Norden“.

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