ZwischenRaumNatur

Die Schönste unter den Pfeifern…

Mornellregenpfeifer

Auf dem langen Weg in den äußersten Nordosten Skandinaviens durchquerten wir Schweden zugegebener Weise „nur“ als Transitstrecke und Warteschleife bis zur Öffnung der norwegischen Grenze. Für Camper ist Schweden allerdings ein Traumland, die endlosen Wälder und unzähligen Seen laden überall zum Verweilen, Erfrischen und Relaxen ein. Immer wieder staune ich darüber, wie viele wunderschöne und völlig abgelegene „Zauberorte“ und Fleckchen es hier gibt.

Als verantwortungsvoller und naturversessener Van-Fan kann man quasi fast überall problemlos übernachten und pausieren. Überall gibt es robuste und windgestützte Holzhütten, in denen vom Land Holzvorräte und allerlei nützliches Gerät für Lagerfeuer und Wildwest-Festessen finden kann. Und das in einem Land, dass von Wald umgeben ist – ich frage mich bis heute, wieso nicht schon ganz Schweden in Feuer und Flammen untergegangen ist. In Deutschland wäre das nie möglich, auch jenseits der unterschiedlichen Bevölkerungsdichte und Infrastruktur. Schade eigentlich, denn es scheint ja schon seit Jahrhunderten zu funktionieren, Natur und Mensch auf eine natürliche und ungezwungene Art und Weise in Einklang zu halten.

Neben einigen Naturschutzgebieten und Hotspots für die Wildlife-Fotografie entdeckten wir eher zufällig mehrere Gebiete, die uns als „Pfeifergeignet“ erschienen. Und es dauerte nicht lange, da hörten wir schon die typischen Rufe der Goldregenpfeifer. Ich kannte sie schon von Helgoland und der Nordseeküste, hatte sie allerdings noch nicht im Prachtkleid oder in ihren Lebensräumen erlebt, geschweige denn fotografiert. Noch ein Traummotiv von mir, Limikolen halt…

Goldregenpfeifer

Bevor wir sie sahen, machte jedoch ein anderer kleiner, aber sehr präsenter Regenpfeifer lautstark auf sich aufmerksam. „Ich bin hier zu Hause – und das lange, bevor Ihr da ward…!!!“ schien der kleine, aber überaus mutige und  angriffslustige Sandregenpfeifer klarzustellen. Und er blieb nicht lange alleine, Verstärkung zeigte sich in allen Richtungen. Überall schienen sie zu brüten und ihre Reviere zu verteidigen. Wir taten gut und gerne daran, ihre Ansprüche zu respektieren…

Sandregenpfeifer

Bei einem entspannten Abendspazierung ohne Kamera entdeckten wir plötzlich einen größeren, stilleren Vogel. Der vermeintliche Goldregenpfeifer entpuppte sich schnell als ein Mornellregenpfeifer und die Aufregung war da. Im Prachtkleid hielt sich diese hübsche Limikole zwischen der Heide und den Wacholderbüschen auf, verhielt sich jedoch auffällig still und bedacht. Der Grund dafür waren zwei kleine Federbällchen, die auf ihren zierlichen langen Beinchen in Sichtweite durch die Gräser huschten. Wir merkten uns den Bereich und spät am Abend, als das Sonnenlicht langsam weicher wurde, kamen wir mit Kamera und dem unerlässlichem Komplett-Mückenschutz wieder vorsichtig an die Stelle zurück. Das nordische Licht erwies sich jedoch abends um 21.00 Uhr noch als äußerst schwierig und hell, so dass wir uns vornahmen, erst kurz vor Sonnenuntergang unsere weiteren Fototouren zu planen.

Mornellregenpfeifer

Mornellregenpfeifer

An den folgenden Tagen suchten wir geduldig mehrere Stellen in diesem Gebiet ab und sahen einige Weibchen mit ihrem Nachwuchs, weit verteilt über das Fjell und die angrenzenden Sumpflandschaften.

Wir achteten darauf, nicht zu lange bei den Vögeln zu bleiben und sie dementsprechend möglichst wenig bei ihrem empfindlichen Brutgeschehen zu stören.  So legten wir uns leicht getarnt auf den Boden und warteten. Es dauerte oft nicht lange, das sie unseren Weg kreuzten und sich die Mutter regelmäßig niederließ, um die kleinen Küken zu hudern und zu wärmen. Lange hielten die kleinen Zwerge es unter der Federdecke der Mutter nicht aus und immer wieder wunderte ich mich, wie weit sie sich doch aus deren Sichtweite entfernten.

Mornellregenpfeifer

Die Mornellregenpfeifer in ihrem Habitat und so entspannt zu erleben, war ein unerwartetes und umso schöneres Erlebnis. Wie so oft erlebten wir, von der Fotografie-Lust motiviert, bei der Beobachtung alles um sich herum ausblendend und die Gegenwart genießend, dass ein „Top-Foto“ zwar die Krönung, aber letzten Endes nicht das einzige Ziel für uns ist. Das uns in diesen Tagen einige schöne und anrührende Aufnahmen gelungen sind, freute uns aber natürlich riesig. Sie sind ja schließlich der Antrieb und die Belohnung für viele Stunden Recherche, Warten, Beobachten und letztendlich auch ein kostspieliges Hobby. Und die Entschädigung für gefühlte Trillionen Mückenstiche, ohne die diese Aufnahmen jedoch nicht möglich gewesen wären. Erstere verschwinden wieder, zweitere werden bleiben…

Wiesenpieper

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