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Der Kuukkeli – ganz und gar kein „Unglücksvogel“…

Kuukkeli oder „Guovssahasat“ – letzteres ist samisch und ist ein Synonym für „Nordlicht“. So nennt man in der samischen Sprache diese faszinierenden Rabenvögel. Ich habe es nie verstanden, wieso man diesen hübschen und charmanten Vögeln so ein Unrecht „andichtet“. Das Gegenteil ist sogar der Fall – in Finnland bezeichnen Jäger und Waldleute den Unglückshäher als Glücksvogel. Im Mittelalter glaubten die Menschen, er bringe Unglück, weil er nur in sehr kalten und harten Wintern gen Süden zog und dort auftauchte. Ähnlich wie dem Wiedehopf, im Mittelalter als Pestvogel verkannt, wurde den Tieren ihre natürlichen Verhaltensweisen und ihr Überlebenskampf zum Verhängnis. Es wird also höchste Zeit, mit diesen alten Mythen gründlich aufzuräumen…

Dazu hatte ich dieses Jahr eine unerwartete Gelegenheit. Wie bei vielen anderen Planungen in diesen ungewöhnlichen und schwierigen Corona-Zeiten verlief unser Urlaub dieses Jahr völlig anders als geplant und gehofft. Ursprünglich wollten wir mit dem Camper nach Finnland reisen und das „Land der 1000 Seen“ kennenlernen. Doch daraus wurde aufgrund der kurzfristigen Grenzschließungen nichts und wir hielten uns einen Teil unserer Zeit in den Nationalparks Schwedens auf. Da wir völlig autark reisen, fiel es uns nicht schwer, die entsprechenden Vorsichtsmaßahmen einzuhalten und wir bewegten uns ausschließlich außerhalb von Ballungsräumen.

Während des Heimweges hielten wir uns an den Grenzen eines  großen Nationalparks unweit der norwegischen Grenze auf. Ich wusste von einigen Orten, wo man mit Glück dem Kuukkeli begegnen konnte. War er doch einer der Wunschmotive, die ich eigentlich in Finnland zu sehen erhoffte – wirklich überzeugt war ich von einer Sichtung jenseits Finnlands jedoch nicht. Doch es kommt immer wieder anders, als man denkt. Kaum waren wir in einem der vermuteten Gebiete, waren sie da – unüberseh- und hörbar. Ich konnte es kaum glauben…

Erst einer, dann zwei, dann fünf… – die Vögel näherten sich ohne Furcht und Tadel – und das wortwörtlich. Sie flogen regelrecht auf uns zu und bevor ich meine Ausrüstung auspacken konnte, saßen sie schon auf dem Rucksack und ließen sich völlig unbeeindruckt auf meinem Objektiv nieder. Ich streckte die Hand aus – und sie flogen sofort auf mich zu und prüften, ob sich etwa nahrhaftes darin befand. Offensichtlich waren sie es gewohnt, an dieser Stelle die ein oder andere Leckerei zu bekommen. Ich hatte davon gelesen, dass sich die Kuukkelis gerne an Wanderer und Spaziergänger hielten, wenn sie sich zur Rast oder einem Picknick im Park aufhielten. Doch so eine charmante „Übernahme“ hatte ich nicht erwartet – es war großartig. Man kann sich wohl schwerlich der Faszination und der Keckheit dieser Vögel entziehen.

Wir saßen noch eine Weile da und waren einfach nur bezaubert. Die Kuukkelis sind wunderschöne, bis zu 30cm große Vögel, ihr orange-braunes Federkleid zeigt sich besonders beeindruckend im An- und Wegflug. An Fotos war zu dieser Zeit nicht zu denken, zumal sie sich permanent unter der Naheinstellgrenze meines Objektivs aufhielten. Sobald ich mich von ihnen weg bewegte, folgten sie mir auf den Fuß und beäugten mich fordernd. Natürlich hatte ich vorgesorgt und ein wenig „Futter“ für meine hungrigen Hauptdarsteller mitgebracht. Der bevorstehende Winter kündigte sich langsam, aber sicher an und es galt, sich mit fettreichem Futter dafür zu rüsten.

Am nächsten Morgen hatte ich etwas besser geplant und mit einem persönlichen „chef de cuisine“, der die Vögel in ausreichender Entfernung hielt, gelangen mir einige schöne Aufnahmen. Einfach blieb es trotzdem nicht, sie folgten mir weiter aufmerksam und ohne Scheu. Die Umgebung des Nationalparks bot einige, dekorative Ansitze und es war eine Freude, mit ihnen zu „arbeiten“. Auch hier stand das pure Erleben dieser Vögel der Erwartung einer schönen Ausbeute an Fotografien in nichts nach. Ich konnte mich nur schwerlich losreißen, aber der Urlaub ging dem Ende entgegen und wir hatten noch eine lange Heimreise vor uns.

Ach ja- apropros Glücksbringer und Nordlicht… Letzteres konnten wir auf dieser Reise hoch oben in Skandinavien zum ersten Mal beobachten. Es war magic… – und zu Beginn ganz anders, als erwartet. Man muss es erlebt und gesehen haben und es ist ein ganz besonderes Erlebnis – dazu später in einem gesonderten Blog-Artikel. Den „Unglückshäher“ nehme ich nicht mehr in den Mund und hier schreibe ich ihn zum letzten Mal schwarz auf weiß nieder. Für mich ist und bleibt er ohne Frage nur noch ein Glücksvogel und eben – der Kuukkeli…

 
 

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2 Antworten

  1. Lieber Simon,

    Danke Dir, ich freue mich sehr darüber.
    Du würdest begeistert sein, sie live zu sehen.
    Und ich hoffe, dass Du sie auch einmal so erleben kannst.

    Liebe Grüsse,
    Andrea

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