ZwischenRaumNatur

Miles & more für die Feldlerche

Nomalerweise hört man sie nur, lautstark trällernd und so präsent wie ein ganzer Vogel-Schwarm – als gäbe es kein Morgen. Sie zu sehen oder ein passables Foto von ihnen zu machen, ist in den meisten Fällen und auf Feldern und Wiesen nahezu unmöglich. Die Feldlerche ist nur auf den ersten Blick ein kleiner, brauner und unscheinbarer Vogel, der am Boden quasi verschwindet und irgendwo anders auf einmal wieder in die Höhe steigt. Emsig suchen sie abgeerntete Äcker, Brachflächen und Felder nach Nahrung ab,. So perfekt getarnt, dass man sie erst bemerkt, wenn sie unmittelbar neben den eigenen Fußstapfen wie ein kleiner Federpfeil nach oben schnellen.

In der Hauptstadt jedoch ist sie nicht nur Zaungast oder eine scheinbar „unsichtbare kleine Drohne“. An einem geschichtsträchtigen und vielbesuchten Ort, einem Gigapark für Freizeit- und Sportaktivitäten, zwischen Grillwiesen und Drachenseglern fühlt sich der selten gewordene und seit Jahren streng geschützte Vogel feldlerchenwohl. Große Wiesenflächen werden weiträumig abgesperrt und von Anfang April bis Ende August nicht gemäht. Diese wichtigen Brutreviere sind ein guter Grund für die Feldlerche, seit Jahren immer wieder zweimal im Jahr den weiten Flug nach Berlin und zurück zu wagen, um sich fortzupflanzen. Mitten in die Hauptstadt und mitten auf dem bekannten, ehemaligen Flughafen Tempelhof.

1988 und 2019 wurde sie zum Vogel des Jahres gewählt. Was sich wie eine Ehrung oder ein Sieg für die Feldlerche liest, ist leider gleichbedeutend mit der Tatsache, dass der Bestand seit den 70er Jahren rapide gesunken ist. Solche Schutzmaßnahmen wie in Berlin können die Art nicht alleine vor dem Aussterben retten. Aber ein Weg, gerade im urbanen Umfeld ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es möglich ist, den Vögeln ein Überleben zu ermöglichen. Und ein Beispiel dafür sein, dass sich  Menschen und Tiere auf engstem Raum näherkommen und friedvoll nebeneinander koexistieren können.

Das ist auch der Grund dafür, warum ich im Frühjahr regelmäßig schon vor Sonnenaufgang mit meiner Kamera und vielen anderen Fotokolleg*innen auf dem ehemaligen Flugplatz umherschweife. Die Nähe zum Menschen und der Trubel der Großstadtmetropole scheinen der Präsenzfreudigkeit und dem selbstbewussten Auftreten des kleinen Vogels keinen Abbruch zu tun. Es ist unglaublich, wie nah und angstfrei sich die Feldlerchen gerade in der Balzzeit den vielen Menschen nähern. Sie lassen sich nicht stören und verlassen sich auf ihre hervorragende Tarnung und heimliche Art. So ist es ohne Probleme möglich, sich ruhig auf den Boden zu setzen oder zu legen und die Vögel auf sich zukommen zu lassen. Oftmals erscheinen sie unter der Naheinstellgrenze vor dem Objektiv, obwohl man sie im Vorfeld nicht hat kommen sehen. Genauso schnell sind sie jedoch auch wieder weg, wenn man zu hastige oder schnelle Bewegungen macht. Es bleibt ein aufregendes Feldlerchen-und-Fotografen-Spiel, die Geduld braucht und Ruhe erfordert. Dennoch gelingen dort spektakuläre Fotos und Nahaufnahmen, die sonst in der Republik so kaum möglich sind.

So viel Wildheit mitten in der Stadt lockt auch viele andere Konkurrenten und  tierische Jäger an. Jeder möchte ein Stück der großen weiten Welt für sich. Es ist kein Geheimnis, dass sich auch die Berliner Turmfalken ihren Teil des Flughafen erobert haben. So kann jeder Besucher diesen geschickten und schönen Greifvögeln erstaunlich nah kommen. Die vielen Feldmäuse, die sich dort ebenso wohl fühlen, sieht man meist nur an den vielen kleinen Löchern im Boden herumhuschen. Vorausgesetzt, sie landen nicht auf dem Mittagstisch der Turmfalken…

Viele weitere, sonst seltener anzutreffende Singvögel haben sich im Laufe der Zeit zu den Feldlerchen gesellt und bereichern die Hauptstadt mit ihrem Gesang und ihrer Präsenz. Es ist erstaunlich, wie viele Arten sich auf diesem Stückchen Natur wohl fühlen. Und für viele Fotograf*innen ist es mittlerweile zu einem vertrauten Ort geworden, die begehrten Objekte nicht nur auf den Sensor zu bannen, sondern sich auch einfach nur in diesem Kleinod wilder Natur entspannen zu können.

Es bleibt zu hoffen, das  sich die Geschichte dieses Flughafens nicht nur für die Berliner einst als eine Rettung in höchster Not erweist. Es steht sicherlich in keiner Relation, die Lebensmittelversorgung der Stadt durch die bekannten Rosinenbomber mit dem geschützten Räumen für einen kleinen, braunen Vogel zu vergleichen. Aber es wäre doch ein Zeichen der Hoffnung, wenn diese Zuflucht für Mensch und Tier auch in Zukunft vor Verbauung und Zerstörung beschützt wird. Und uns diese bezaubernden Flugkünstler weiter mit miles & more-Bonus erhalten bleiben. 

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